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Fleischer Knecht ist Knecht seiner grünen Leidenschaft

Agaven-Züchter
Klaus-Dieter Knecht
Telefon:0 33 27/4 24 88

Stachlige Insel-Schätzchen

Stand: Juni 2018

Obwohl von Beruf Fleischer ist das Blut an seinen Händen meist von Pflanzen verursacht. Schuld daran sind dann „Wunder der Natur“, durch die Werders Insel zu einem exotischen Mekka für Kenner geworden ist.

Klaus-Dieter Knecht schaffte es echt, eine der weltweit größten Agaven-Plantagen in seinem Hof in der Kirchstraße zu versammeln. Unter seinen 350 Pflanzen befinden sich gut 120 verschiedene Arten. Das ist knapp die Hälfte aller bekannten Agaven!

Sensible Lieblinge
Wer den mittlerweile 75-Jährigen besucht, der die Auslieferung von monatlich 110 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren in der DDR zu verantworten hatte, dem fällt als erstes allerdings eine überlebensgroße Kokospalme auf. „Früher hatte ich noch viele Kakteen und diverse Palmen. Dies habe ich jetzt reduziert, weil mir einfach der Platz fehlt“, bedauert Knecht. Dabei gibt er offen zu, längst „Knecht“ seiner Leidenschaft für exotische Botanik zu sein: „Die Agaven machen zugegebener Weise viel Arbeit. Insgesamt sind sie den größten Teil des Jahres drinnen untergebracht. Draußen müssen sie dann langsam an die Sonne gewöhnt werden, sonst machen sie gleich schlapp“, erläutert er.
Manche drücken Missfallen überdeutlich aus: „Es gibt eine Art, die läuft rot an, wenn sie unter Stress steht!“

Geduld ist gefragt
Das größte Problem bei diesen ungewöhnlichen Pflanzen ist aber, dass sie extreme Geduld erfordern: „Jeder Agavenzüchter wartet sehnsüchtig auf die Blüte seiner Pflanzen. Diese schießt aus einem Stengel heraus, der einen Meter oder länger ist. Ist er abgeblüht, geht die ganze Pflanze ein. Da diese bis zu 100 Jahre alt werden, kann man sich vorstellen, wie lange es dauert!“ So schaffte es Klaus-Dieter Knecht in runden 50 Jahren seines ungewöhn­lichen Hobbys gerade mal vier seiner Schützlinge zur Blüte zu bringen!

Filet gegen Pflanze
Die Leidenschaft erwuchs ihm in jungen Jahren durch die Freundschaft mit einem Glaser. „Der war für die Gewächshäuser im Botanischen Garten vom Park Sanssouci zuständig. Dort traf ich zum ersten Mal auf diese Pflanzen. Ich wollte unbedingt welche haben. Also kam es zum DDR-üblichen Handel: Filet gegen Agaven.“
Die Leidenschaft für deren überaus exotische Ausstrahlung konnte auf Reisen nach Südeuropa weiter entwickelt werden. In Rumänien und Bulgarien gab es diverse Möglichkeiten, sich am Straßenrand oder in Botanischen Gärten mit den gefragten Ablegern einzudecken.
Heute kann Klaus-Dieter Knecht regelrechte Expertenführungen machen: „In den Botanischen Gärten in Berlin und Potsdam haben sie gerade mal 30 Arten“, begründet er, weshalb die Insel der Baumblütenstadt durch ihn eine besondere Anziehung auf Sammler und renommierte Biologen erhielt. „Sogar eine Abordnung aus dem Park Sanssouci war schon hier!“

Blutige Hände!
Sein Geheimrezept für die Anzucht derart wertvoller Pflanzen: „Ich mische Kakteenerde aus dem Gartenmarkt mit Kies und gebe als Langzeitdünger noch Horn­späne dazu.“ Das größte Problem ist die Überwinterung. Dazu müssen die oft zentnerschweren Pflanztröge in diverse Anbauten auf dem idyllischen Grundstück gebracht werden: „Ich habe dafür natürlich überall Zentralheizung verlegt“, schildert Klaus-Dieter Knecht.
Zudem wurden die Dächer mit Glaselementen versehen. Der Transport ist ein Kraftakt, für den zeitweise drei Helfer im Einsatz sind. „Das größte Problem ist, dass die Pflanzen sehr harte Stacheln haben, durch die man leicht verletzt wird. Andere wiederum haben messerscharfe Blattkanten“, beschreibt Exotik-Fan Knecht, wie man als Fleischer auf ganz vegane Weise Blut an den Händen haben kann!