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Kurzer Besuch, lange Wirkung

Christian Morgenstern Literaturmuseum
Jürgen Raßbach
Telefon:0 33 27/7 16 53
Website:www.christian-morgenstern-literaturmuseum.de

Galgenlieder für einen Tag!

Stand: Juni 2018

Einmal rein, immer drin! Mit gerade mal einem einzigen Besuch schaffte es ein Schriftsteller „auf ewig“ sein eigenes Museum zu bekommen. Das ist wohl ziemlich einmalig!

Einmal rein, immer drin! Mit gerade mal einem einzigen Besuch schaffte es ein Schriftsteller „auf ewig“ sein eigenes Museum zu bekommen. Das ist wohl ziemlich einmalig! Der Künstler, dem dieses ungewöhnliche Kunststück gelungen ist, heißt Christian Morgenstern. „Bisher war man davon ausgegangen, dass er mit seinen Kumpanen öfter auf dem Galgenberg gefeiert hat. Jetzt hat sich heraus­gestellt, dass er einzig und allein am 5. Mai 1895, am Vorabend seines 24. Geburtstags, bei uns war“, verblüfft Jürgen Raßbach.

Per Zufall zum Dichter
Der 73-Jährige ist neuer Leiter vom „Christian Morgenstern Literaturmuseum“, das sich in der legendären „Bismarck­höhe“ befindet. Er ist damit Nachfolger von Achim Risch, der den Schöpfer der Galgenlieder als damaliger Chronist vom „Freundeskreis Bismarck­höhe“ per Zufall für Werder entdeckt hatte. Das faszinierte den ehemaligen Berufsschullehrer derart, dass er unbedingt eine Gedenkmöglichkeit erreichen wollte. Er brachte es erst zu einem ziemlich kleinen „Morgenstern-Zimmer“ im Turm. Daraus wurde pünktlich zum 100. Todestag 2014 das weltweit einzige „Morgenstern-Literaturmuseum“.

Mit Morgenstern aufgewachsen
Jürgen Raßbach trat als Wunschkandidat die Nachfolge von Achim Risch an. Er hat dafür optimale Voraussetzungen: „Ich war schon als Kind von Morgenstern begeistert und bin mit ihm aufgewachsen“, gibt er Einblick. Dies führte er als Lehrer für Deutsch und Altphilologie am Evangelischen Gymnasium in Potsdam Hermanns­werder weiter. Er ist Mitglied der „Christengemeinschaft“.
Dieser gehörte Margareta Morgenstern ebenfalls an. Es ist eine antrosophische Kirche, die auf Rudolf Steiner zurückgeht. Die spätere Ehefrau des Dichters stammte aus der Familie Gosebruch von Liechtenstern. Ihre Liebe kostete ihr viele adelige Privilegien. Schließlich war Morgenstern damals mittellos und bereits von der von seiner Mutter „geerbten“ früher unheil­baren Lungentuberkulose gezeichnet. Nach seinem Tod am 31. März 1914 machte sich die Witwe zur Lebensaufgabe seinen Nachlass zu pflegen. Sie übergab ihn anschließend an die Christengemeinschaft.

Schatz im Stahlschrank
Der Akribie von Margareta Morgenstern und der Spürnase von Jürgen Raßbach ist es zu verdanken, dass jetzt Licht ins Dunkel um den Aufenthalt des Dichters in Werder kam. Der neue Leiter des Literaturmuseums auf der Bismarckhöhe verweist mit mehr als berechtigtem Stolz auf drei Stahlschränke voller Aktenordner. „Margareta Morgenstern hat den gesamten Nachlass inklusive der Briefe und Tagebuchaufzeichnungen akribisch abgetippt. Diese Akten haben wir hier im Original vollständig. Daraus habe ich ermittelt, dass Morgenstern eben nur das einzige Mal in Werder auf dem Galgenberg war“, erklärt Jürgen Raßbach.

„Krieg ist Schwachsinn!“
Er hat sich als Schwerpunkt gesetzt, die Arbeit des Dichters mit den ungewöhn­lichen Wortspielen, wie sie für die Galgenlieder symptomatisch sind, wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Dazu wurde jetzt unter seinem Vorsitz eine „Christian Morgenstern Gesellschaft“ gegründet. „Wir haben mittlerweile 38 Mitglieder aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland. Darunter ist Professor Ernst Kretschmer, der in Italien unterrichtet“, so Jürgen Raßbach. Damit ist die Baumblütenstadt auf dem besten Weg zur Morgenstern-Stadt, obwohl der Dichter eben nur einmal da war. Man darf aber gespannt sein, was die Aktenordner noch alles an bisher unbekannten Erkenntnissen zu bieten haben. Dazu gehört eine handschriftliche Notiz von Christian Morgenstern, die heute mehr denn je Gültigkeit hat. So schrieb er bereits 1907: „Des Kriegs Eltern heißen Schwachsinn und Feigheit!“