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Kultur soll das Dorfwahrzeichen retten

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Förderkreis Lilienthal-Kirche
Heinz Grützmacher
Telefon:03 32 07/56 47 20
E-Mail:heinzgruetzmacher@web.de

Rocker will Kirche stürmen

Stand: Juni 2018

Heißer Rock hinter kalten Kirchenmauern, damit möchte der kleine Ortsteil Derwitz bald Furore machen. Ausgerechnet ein Ex-Mathe-Pauker hat sich dieser Idee verschrieben!

Heißer Rock hinter kalten Kirchenmauern, damit möchte der kleine Ortsteil Derwitz bald Furore machen. Ausgerechnet ein Ex-Mathe-Pauker hat sich dieser Idee verschrieben! Heinz Grützmacher ist Vorsitzender vom frisch gegründeten „Förderkreis Lilienthal-Kirche“. Der Hobby-Gitarrist war bis zur Pensionierung Lehrer für Mathematik und Physik. Nun hat er zusammen mit einem Dutzend Derwitzern, darunter Christin Josewski und Thorsten Hartisch, messerscharf kalkuliert: „Um die nötigsten Arbeiten an der über 500 Jahre alten Kirche durchzuführen, wurden Fördermittel in Höhe von einer Viertelmillion Euro beantragt. Hauptprobleme sind das Dach, das unbedingt saniert werden müsste, sowie ein Teil der Außenmauer, die Feuchtigkeit zieht“, haben die Derwitzer herausgefunden.

Alte Schätze
Ihnen geht es darum, die Kirche als Baudenkmal zu erhalten: „Sie wurde um 1500 als Feldsteinkirche erbaut. Markant ist der gotische Blend­giebel. Der Dachstuhl ist noch original. Hier gibt es einen speziellen Aufbau, den die untere Denkmalschutzbehörde als besonders schützenswert eingestuft hat“, erklärt Heinz Grützmacher beim Rundgang. „Die Orgel wurde von Carl Eduard Gesell errichtet, dessen Firma dann von Schuke-Orgelbau fortgeführt wurde. Die sind bekanntlich immer noch eines der Vorzeigeunternehmen von Werder.“
Weitere Kleinode sind Totenkronen, die per Zufall auf dem Dachboden gefunden wurden: „Diese wurde nicht-verheirateten Verstorbenen für die Aufbahrung nach einem alten Brauch aufgesetzt. Das betraf vorwiegend Kinder“, weiß Thorsten Hartisch, der sich intensiv mit der Geschichte „seiner“ Kirche beschäftigt hat.

Konzerte statt Gottesdienst
Die angestrebte Kirchensanierung soll jetzt dank der übervollen Landeskassen im zweiten Anlauf erfolgen. „Das erste Mal scheiterten wir daran, dass der zuständige Kirchenkreis sich außer Lage sah, für die nötigen Eigenmittel aufzukommen“, blickt der agile 69-Jährige zurück, der mit Ehefrau Eva-Luise Grützmacher und Tochter Jana Freese in seinem Elternhaus lebt. Zum Gottesdienst zieht es ihn eher selten, der findet hier „ohnehin nur einmal im Monat statt“. Jetzt haben sich die Derwitzer mit dem Kirchenkreis Groß Kreutz darauf geeinigt, ihr Dorfwahrzeichen zusätzlich für welt­liche Zwecke wie etwa Konzerte nutzen zu dürfen. Darauf freut sich Enkel Niclas Freese sehr, denn er würde hier mit seiner vom Baumblütenfest bekannten Band „Village 19“ gerne auftreten. Zudem stehen die Familienrocker von „Three Generation“ parat.
Das sind neben Heinz Grützmacher Schwiegersohn Dirk Freese und Niclas Freese.

Anziehungspunkt für Besucher
Die Kirche neben dem Lilienthal-Gedenkhaus könnte als neuer Anziehungspunkt für Besucher wirken. Deshalb soll sie in Erinnerung daran, dass „in Derwitz der erste Mensch mehr als 25 Meter durch die Luft flog“, so Heinz Grützmacher, als „Lilienthal-Kirche“ für den Ort werben. Hoffentlich bringt das mehr Glück als die Flugversuche von Otto Lilienthal: Fünf Jahre nach den ersten Erfolgen am „Spitzen Berg“ in Derwitz kam der „Erfinder der Tragfläche“ in Stölln durch einen Absturz mit einer seiner Flugmaschinen ums Leben.